Ehrenamtliche helfen Trauernden im Chat

Sie chatten über den Tod. Im Internet trösten Ehrenamtliche trauernde Jugendliche. Aber wer sich für die Internetplattform „doch etwas bleibt“ engagiert, darf nicht älter sein als 30 – und muss selbst Trauererfahrung gemacht haben.

Trost finden sie online, jeden Montag für zwei Stunden. In einem Chatroom sprechen Jugendliche anonym über ihre Trauer – und Gleichaltrige hören ihnen zu. Das Hospiz Bedburg-Bergheim in der Nähe von Köln, hat 2009 das Internetangebot „doch etwas bleibt“ ins Leben gerufen. Betreut wird der Chat ausschließlich von jungen Ehrenamtlichen.

Junge Ehrenamtliche betreuen den Trauerchat "doch etwas bleibt". Hinten links: Tina Korten, vorne mittig: Romy Kohler

Sie kennen nicht nur die Sprache des Mediums, seine Zeichen und Abkürzungen, sondern auch den Schmerz nach dem Verlust eines Menschen – eine Grundvoraussetzung für dieses Ehrenamt: „Jugendliche sind sehr kritisch und fühlen sich eher verstanden von Gleichaltrigen, die etwas Ähnliches erlebt haben“, erklärt Romy Kohler, hauptamtliche Projektleiterin.


“Tod und Trauer schrecken mich nicht ab”

„An Krebs ist fast die gesamte Familie meines Vaters gestorben“, sagt die ehrenamtliche Chatbegleiterin Tina Korten. Seit über einem Jahr unterstützt die 29-Jährige das zwölfköpfige Team der Chatbegleiter. Verständnis für ihr Engagement haben in ihrem Umfeld nur wenige, wie die Grundschullehrerin erklärt: „Es ist ein sensibler Bereich, den sich die wenigsten zutrauen. Aber mich schrecken Tod und Trauer nicht ab.“ Als ihre demente Großmutter vor zwei Jahren starb, besuchte Tina sie so oft wie möglich im Pflegeheim. Dort Menschen vor dem Lebensende zu begegnen, machte ihr klar, dass sie Sterbende begleiten will. Sie engagierte sich im Hospiz Bedburg-Bergheim und schließlich auch im Trauerchat.

Geht sie online, ist Tina Korten hochkonzentriert. Keinen Beitrag will sie überlesen, jeder User soll Beachtung finden. Zu dritt moderieren die Ehrenamtlichen eine Sitzung, an der bis zu zehn Jugendliche teilnehmen. Rund 300 User sind Teil der gesamten virtuellen Trauergemeinschaft, wie es sie in Deutschland nur zweimal gibt. In Zweiergesprächen können Besucher den Chatbegleitern ihr Herz ausschütten, sich öffentlich zu Themen äußern oder selbst Beiträge einbringen. „Unser Ziel ist, dass die Jugendlichen untereinander Vertrauen aufbauen und sich gegenseitig stützen“, erklärt Tina.

Handwerkszeug zur Trauerbewältigung

Wie alle Ehrenamtlichen, hat auch Tina eine Schulung durchlaufen, die ihr die Arbeit als Begleiter im Trauerchat erleichtert. Handwerkszeug für den Umgang mit dem Sterben: Trauer bei Jugendlichen, Trauermodelle und Gesprächsführung. Immer wieder blicken die Chatbetreuer auch auf ihre eigenen Erlebnisse, wie Projektleiterin Romy Kohler erklärt: „Unsere Mitarbeiter müssen auf ihre eigene Trauer blicken und sie aufarbeiten. Sonst kann man nach einem Chatabend leicht in eine Krise rutschen – und das darf nicht passieren.“ Tina Korten fühlt sich im Team aufgehoben, weil sie weiß: “Es darf Momente geben, in denen es mir schlecht geht – und die Gruppe fängt mich auf.“

Manchmal belastet es Tina, dass sie das Leid der anderen nicht ungeschehen machen kann. Gerade, wenn der Verlust noch frisch ist und Trauer die Menschen wie aus dem Nichts überrollt. Dann hilft ihr die Rückmeldung der User: „Jetzt geht es mir besser“, sagen die und Tina hat verstanden: „Es geht nicht darum, die Trauer aus dem Weg zu räumen, sondern einfach darum, zuzuhören und da zu sein.“

Der Trauerchat „doch etwas bleibt“ sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter zwischen 18 und 30 Jahren. Kontakt: Romy Kohler, Koordinatorin des Ambulanten Hospizvereins Bedburg-Bernheim: 02271- 4530 oder info@doch-etwas-bleibt.de

2 Gedanken zu “Ehrenamtliche helfen Trauernden im Chat

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