Ehrenamtliche Jobpaten helfen Arbeitslosen

Sie sind ehrenamtliche Paten für Arbeitslose: Personalprofis aus allen Branchen setzen in der Freizeit ihr Fachwissen für die ein, die keine Stelle finden. Das Patenmodell der Diakonie unterstützt und begleitet die Beratung der Arbeitsuchenden. Die Bonner Koordinatorin Gabriele Raymond erklärt im Interview, warum Führungskräfte ihre knappe Freizeit für ein Ehrenamt verwenden.

Gabriele Raymond (59) ist Koordinatorin des Patenmodells in Bonn

gemeindemenschen.de: Wie wichtig ist ehrenamtliches Engagement heute?

Gabriele Raymond: Enorm wichtig, denn der Staat kann vieles nicht mehr leisten. Deshalb sehe ich es als gesellschaftliche Aufgabe, sich ehrenamtlich für andere einzusetzen. In Bonn hatten wir für das Patenmodell in kurzer Zeit viele Interessenten und Anmeldungen von Menschen, die unserer Gesellschaft etwas zurückgeben möchten.

Was brauchen Ehrenamtliche, wenn sie sich als Jobpaten engagieren wollen?

Vor allem Empathie, also die Fähigkeit, sich in Menschen hineinzuversetzen, die in existenzieller Not sind. Um die Arbeitsuchenden gut zu beraten, sollten sie zudem möglichst viel Erfahrung im Berufsleben mitbringen. Wir haben zum Beispiel einen Paten, der selbst über 100 Menschen ausgebildet hat. Er weiß genau, wie eine Bewerbung formuliert sein muss und wie ein Bewerbungsgespräch optimal verlaufen sollte – bis hin zum äußeren Erscheinungsbild des Bewerbers.

Viele der Jobpaten haben oder hatten einen anspruchsvollen Beruf. Warum arbeiten diese Menschen in ihrer Freizeit noch ehrenamtlich?

Weil sie selbst zufrieden in ihrem Berufsleben stehen oder positiv darauf zurückschauen. Sie wissen, dass sich der Arbeitsmarkt sehr verändert hat und möchten sich für die Menschen einsetzen, die keine oder nur noch mit vielen Schwierigkeiten wieder Arbeit finden. Viele unserer Paten haben lange nach so einem Modell gesucht. Im „Patenmodell“ können sie ihre Berufs-und Lebenserfahrung einsetzen, völlig selbstständig arbeiten und stehen trotzdem unter dem Schutz einer Initiative.

Patentreffen in Bonn: Die ehrenamtlichen Jobpaten besprechen gemeinsam jeden Fall

Wie unterstützen Sie die Paten?

Wir bieten den Paten regelmäßigen Austausch in der Gruppe: Jeden ersten Donnerstag im Monat ist ein Patentreffen, bei dem wir jeden Fall gemeinsam besprechen. Viele Ehrenamtliche nehmen zusätzlich unsere monatliche Supervision mit einem Psychologen in Anspruch. Außerdem bin ich selbst immer für sie da. Gerade weil unsere Paten ehrenamtlich arbeiten, müssen sie jederzeit die Möglichkeit haben, Probleme mit mir zu besprechen oder an mich abgeben zu können. Heißt zum Beispiel: Ich begleite sie, wenn besonders schwierige Gespräche mit Klienten anstehen – gemeinsam finden wir immer eine Lösung.

Wo liegt der Unterschied zu der Agentur für Arbeit, die ebenfalls Arbeitssuchende berät?

Im Zeitaufwand. Unsere Paten nehmen sich die Zeit, auf die individuellen Probleme der Klienten einzugehen. Sie beraten sie, bis ein neuer beruflicher Weg gefunden ist. Sie bauen das Selbstbewusstsein der Arbeitsuchenden auf. An dieser Stelle hilft ihnen ihr Einfühlungsvermögen und ihre Lebenserfahrung. Unserem Bonner Patenkreis gehören vorwiegend Führungskräfte aus unterschiedlichsten Berufsbereichen und qualifizierte Coaches an.

Das Patenmodell ist eine bundesweite Initiative der Diakonie.

 

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