Stipendium fördert Ehrenamt

Seit mehr als 60 Jahren fördert das Evangelische Studienwerk Villigst in Schwerte Studenten. Ehrenamtliches Engagement ist eine der Voraussetzungen für das Stipendium. Mehr zählt jedoch der persönliche Eindruck.

Margot Käßmann ist eine von ihnen. Ebenso Roger Willemsen und Henning Scherf. Sie sind ehemalige Stipendiaten des Evangelischen Studienwerks Villigst. Damals, zu ihren Studienzeiten, wurde ihr Potential bereits erkannt und gefördert. Bis heute sind es mehr als 6.500 Studenten und Promovierende, die das Studienwerk unterstützt hat.

Porträt Stephan Pöpsel

Stephan Pöpsel, 32, Studienleiter am Evangelischen Studienwerk Villigst

„Unser Anliegen ist es, junge engagierte Menschen zu fördern, die fachlich und persönlich besonders sind, die den Blick für eine demokratische Gesellschaft haben und einen offenen Geist“, erklärt Stephan Pöpsel, Studienleiter und Ansprechpartner für die Bewerberauswahl.

Aktuell zählen rund 1.300 junge Menschen zu den Stipendiaten. Die Zahl der Bewerber steigt stetig an, wie Pöpsel erklärt. Das liege zum einen an den wachsenden Jahrgängen der Abiturienten, zum anderen – so die These des Studienleiters – gebe es immer mehr, die das Studium ohne Förderung gar nicht aufnehmen könnten. Diese „Bildungsaufsteiger“ hat das Studienwerk besonders im Blick: „Wir wünschen uns, dass gerade Menschen mit weniger Chancen den Mut aufbringen, sich zu bewerben. Sie studieren als erste in ihrer Familie oder haben Migrationshintergrund und glauben, sie kämen als Stipendiaten ohnehin nicht in Betracht. Aber das ist falsch.“

Die Konfession ist kein Ausschlusskriterium

Aufgeschlossen ist das Studienwerk gegenüber allen Bewerbern aus unterschiedlichen Fachgebieten – von Medizin über Schauspiel bis Mathematik. Eine Vorauswahl nach Notenschnitt gibt es nicht. Selbst die Konfession sei kein Ausschlusskriterium, einige Stipendiaten seien sogar muslimischen Glaubens, sagt Pöpsel.

Hier treffen sich Stipendiaten: Haus Villigst in Schwerte

Alle eint ihr ehrenamtliches Engagement für Umwelt, Politik oder Kirche. Es ist Voraussetzung für eine Förderung und darf nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. Während des Studiums muss kein Nachweis erbracht werden, denn der Studienbeginn sei oft ein Bruch im Leben – auch für das Ehrenamt: „Viele verlassen ihre Heimatstadt und finden nicht direkt ein neues Engagement. Zudem ist das Studium heute vergleichbar mit einem Vollzeitjob – die Zeit für ein Ehrenamt fehlt.“

Jeder bekommt eine Chance

Doch die Freiwilligenarbeit ist nur ein Baustein im Bewerbungsverfahren, das ganzheitlich auf den Menschen blickt, wie Pöpsel erklärt: „Wir geben jedem Bewerber die Chance, ihn in einem Gespräch persönlich kennenzulernen – seine Biographie, seine Erfahrungen im Ehrenamt und seine Motivation zum Studium.“ Jedes Jahr werden bis zu 100 Stipendiaten aufgenommen. Studieren sie, erhalten sie bis zu 597 Euro, Doktoranden 1050 Euro im Monat. Dazu kommen Studien- und Jobberatung, Sprach- und Wissenschaftskurse sowie Sommerakademien.

Der Aufwand einer Bewerbung stehe in keinem Verhältnis zur Förderleistung, sagt Pöpsel, der selbst ehrenamtlicher Jugendleiter beim CVJM war. Er rät generell, Stipendien und Fördermöglichkeiten auszuschöpfen: „Viele unserer Stipendiaten hätten selbst nie mit einer Aufnahme gerechnet – aber dann hat es doch geklappt.“

Zur Homepage des Evangelischen Studienwerks Villigst

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